„Plötzlich vollzieht sich im Herbst ein markanter Wechsel in der Natur.
Das Grün der Bäume und des Weinlaubs wird ein buntes Mosaik, als sei ein Zauberer am Werk, der märchenhafte Töne hervorlockt: Scharlach, Gold, Violett - Anklänge von loderndem Feuer, Wärme, Reife. Es dauert nicht lange, bis es mit der Farbenpracht im Weinberg vorbei ist. Es bleibt die Hoffnung, dass irgendein Magier oder Winzer etwas von diesem Feuerwerk in den Wein hinüberrettet, um den Kreislauf der Natur ein wenig auszutricksen. Der Weißwein bewahrt im Glücksfall das Gold, das Heitere, Frische, während der Rotwein die reichere Palette bietet, Rubin, Lila, Purpur, das Tiefere, Geheimnisvollere, Urheimatliche, das, wonach man sich in der kargen, kalten Jahreszeit mehr denn je sehnt.“
Der Weißwein, sagt Seitz, zeichne sich durch Frische für den Sommer aus und eigne sich für leichte Gerichte wie Gemüse, Pasta, Fisch, Hühnerfleisch oder Muscheln. Wenn das Tannin, das im Weißwein kaum eine Rolle spielt, im Rotwein ausgereift sei, gäbe es ihm jenes Energievolle, das den dunklen und kräftigen Speisen des Winters, wie Wild und dunklem Fleisch, Paroli bieten könne.
Es mache Spaß, meint Seitz, gelegentlich über Kreuz zu kombinieren und etwa Rotwein zum Fisch zu trinken, doch solle der Tabubruch nicht Selbstzweck sein. Sagen wirs mal so: Erlaubt ist eben wie immer, was schmeckt!
Viele deutsche Winzer loben den Jahrgang 2009 bereits jetzt als Jahrhundertwein. Er werde als ganz großer in die Geschichte eingehen, meint beispielsweise der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Norbert Weber.
Foto: Beinsen
Das langsam zu Ende gehende Jahr bot ein manchmal recht unbeständiges Wetter mit einer Mixtur aus Regen, längeren Trockenperioden und hohen Temperaturen. Stuart Pigott, bekannter Weinkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), verrät seinen Kollegen von der Bildzeitung: „Wir hatten Ende August und den ganzen September fünf Wochen lang warmes und trockenes Wetter, trotzdem waren die Böden noch feucht genug – das ist die perfekte Mischung für einen guten Wein, eine seltene Konstellation.“ Fazit für den Rebensaft: Hohe Qualität aber niedrigere Erträge als in den Vorjahren.
Die Erntemenge liegt etwa 15 Prozent unter jener von 2008. Das wird Weinproduzenten und Weinhändlern aber kaum schaden, im Gegenteil. Es sei ein ein Jahrgang, der genau in den Markt passe, kommentiert Weber die Situation. Der Handel ist im letzten Jahr wohl auf etlichen Litern sitzengeblieben und wird den diesjährigen Produktionsrückgang daher für Preiserhöhungen nutzen wollen. Schlecht für die Weintrinker also.
Weingut: Winzergenossenschaft Weinbiet eG Anbaugebiet: Pfalz Traube: Cuvée Farbe: Blassgelb mit goldenen Reflexen Nase: Honigmelone Gaumen: Feige, Lidschi Nachhall: Zitrone, Banane Alkoholgehalt: 12 Prozent Gesamteindruck: Der zitronige Akzent am Gaumen verstärkt den fruchtigen Gesamteindruck und verleiht dem Wein einen trocken-fruchtigen Charakter
Sommer-Highlight im Winter
November: die Tage werden kürzer und kürzer, der Himmel wird grauer und grauer und die Stimmung passt sich mehr und mehr den allgemeinen Witterungsverhältnissen an. Da erinnern wir uns doch gern an die Highlights des vergangenen Sommers.
Im Juni hatte es die Weinblättchen-Redaktion für ein paar Wochen in die Hannoversche Provinz nach Burgdorf verschlagen. Auf der Suche nach etwas Trinkbarem wurde der örtliche Einzelhandel durchstreift. Dabei fielen uns in der Getränkeabteilung des EDEKA-Marktes einige Kisten Aktions-Weißwein mit der Bezeichnung Sommertänzer ins Auge. Immerhin, schon auf dem Werbeschildchen wurde als Erzeugerin die Winzergenossenschaft Weinbiet ausgewiesen, ein Winzerwein statt anonymer Fassabfüllung also.
Liebt EDEKA auch Wein? Weinblättchen wird es weiterhin kritisch beobachten.
Rein damit in den Einkaufswagen. Lange Gesichter dann allerdings beim Auspacken: Die Warnung „Halbtrocken“ hatten wir vor Entdeckereifer glatt übersehen.
Keine Limonade
Halbtrockener Wein: Ist das nicht in der Regel eher etwas für jene Gelegenheitsweintrinker, die den Wein nach der geschmacklichen Übereinstimmung mit ihrer Lieblingslimonade beurteilen? Doch dann beim Probieren eine Überraschung: Das Schicksal hatte uns ein ausgezeichnetes Tröpfchen ins Glas gespült. Die anfängliche Enttäuschung über den vermeintlichen Fehlkauf war nach den ersten Schlucken schnell verflogen.
Wie ein Spätsommerabend
Blassgelb mit goldenen Reflexen, wie die schwächer werdende Abendsonne im Sommer, deren letzte Strahlen auf Straßen, Fenstern und Gewässern glitzern, schimmert der Sommertänzer im Glas. Der fruchtige Duft von gerade reif gewordener Honigmelone steigt einem in die Nase und am Gaumen gibt sich der Tropfen dann überraschend frisch und spritzig mit geschmacklichen Reminiszenzen an Feige und Lidschi. Im Nachhall zeigt er zitronige Noten, flankiert von leichtem Bananenduft, der auch dafür sorgt, dass die Säure nicht zu dominant wird. Der zitronige Akzent am Gaumen verstärkt vielmehr den fruchtigen Gesamteindruck und verleiht dem Wein einen trocken-fruchtigen Charakter.
Auch Halbtrockene können schmecken
Mit einem Restzuckergehalt von 9,4 Gramm pro Liter (g/l) bleibt der Sommertänzer im unteren Bereich dessen, was ein Halbtrockener nach amtlichem Verdikt vorweisen muss: Vorgeschrieben sind zwischen acht und 20g/l. Insgesamt ist genau das richtige Verhältnis von Restzucker, kräftigen Aromen und Säure entstanden, das den Wein zu einem nuancenreichen frischen Sommerwein macht, der gleichzeitig beweist: auch Halbtrockene können schmecken.
Der Wein kostet knapp vier Euro: Selten findet man in diesem Preissegment einen derart gut ausbalancierten Weißen. Mit diesem Cuvée aus den Rebsorten Riesling, Scheurebe, Silvaner und Gewürztraminer hatten die Kellermeister der Winzergenossenschaft Weinbiet wirklich ein glückliches Händchen. Völlig zu Recht hat der Sommertänzer daher von der Zeitschrift Weinwirtschaft in der Ausgabe 7/09 den zweiten Platz für “Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis bundesweit” erhalten. Übrigens: Wer sich eine flasche Sommertänzer kauft, nimmt gleich noch ein Stück Kunst mit nach Hause. Das Etikett des Sommertänzers – wie auch einiger anderer Weine der Genossenschaft – wurde von der Künstlerin Doris Gaab-Vögeli aus Neustadt Lachen-Speyerdorf gestaltet.
Firmensitz der Winzergenossenschaft Weinbiet in Neustadt/Weinstraße
Der Wein-Beat
Die Winzergenossenschaft Weinbiet ist ein Zusammenschluss der ehemals eigenständigen Genossenschaften Mußbach, Haardt und Gimmeldingen. Die drei Orte gehören durch Eingemeindung inzwischen zur kreisfreien Stadt Neustadt an der Weinstraße, dem Epizentrum des Pfälzer Weinanbaus. Weinbiet, das ist nicht etwa die pfälzische Dialektvariante des Worts Weingebiet und auch keine Neustädter Weinauktion, sondern ein Berg am Ostrand des Pfälzerwalds, der mit seinen knapp 500 Metern über die in der Rheinebene gelegene Stadt Neustadt und ihre Ortsteile aufragt.
Sommer im Glas
Wer sich in diesen trüben Novembertagen etwas Sommer ins Glas holen möchte, ist also mit dem Sommertänzer allerbestens beraten. In den regionalen Lebensmittelläden Norddeutschlands wird er wohl zur Zeit nicht gehandelt, dafür aber kann man sich direkt an die Winzergenossenschaft wenden und das eine oder andere Fläschchen per Post ordern.