Monatsarchiv für Februar 2010

Feb 26 2010

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Ja, es gibt sie! Gute Weine aus dem Supermarkt

Den Lesern des Weinblättchens war es ohnehin immer schon klar, nun spricht es auch der bekannte Weinkritiker der Tageszeitung DIE WELT, Martin S. Lambeck, auf WELT ONLINE klar und deutlich aus: „Ja, es gibt wirklich gute Rotweine für jeden Tag aus dem Supermarkt.“ Über Monate habe er deutsche Supermärkte durchstreift und sei dabei auf so manche Scheußlichkeit, aber eben auch immer wieder auf akzeptable bis gute Weine in der Preisklasse um die fünf Euro gestoßen. Problematisch hält Lambeck zurecht Weine unterhalb der Drei-Euro-Marke:

„Rechnet man genau nach, so lässt sich für derartige Preise kaum ein guter Wein auf die Flasche bringen, so er denn auch noch einen kleinen Gewinn für Erzeuger und Händler abwerfen soll. Leider sind auch viele Bordeaux-Weine um die zehn Euro kaum zu gebrauchen. Hier bietet der Fachhandel für weniger Geld deutlich bessere Leistungen.“

Aktuell empfiehlt Lambeck den 2008er Finca Flichman Malbec aus Argentinien, der derzeit für 4,99 Euro pro Flasche in den Kaiser’s Supermärkten erhältlich ist.

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Feb 25 2010

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“Ein Gläschen Wein”

Abgelegt unter Weinlese

Es sieht ganz so aus, als hätte der Wein die gestern zurückgetretene und daher nunmehr ehemalige Ratspräsidenten der evangelischen Kirche Deutschlands und Hannoversche Landesbischöfin, Margot Käßmann, zu Fall gebracht. Ein Glas Wein habe sie getrunken, so soll sie den Polizeibeamten am Samstagabend auf Anfrage mitgeteilt haben. Bekanntlich war die Kirchenpräsidentin dabei erwischt worden, wie sie trotz Rotphase die Ampel einer großen Kreuzung überquerte. 1,54 Promille ergab die Blutuntersuchung.
Nun, bei einem Gäschen Wein wird es an diesem Abend also wohl nicht geblieben sein. Wie viel hat Frau Käßmann denn nun wirklich getrunken, überlegte wohl so mancher nach Bekanntwerden des Vorfalls. Dazu konnten wir bereits gestern auf WELT ONLINE lesen:

„Der Alkoholgehalt des Blutes nach dem Genuss von Wein ist unter anderem vom Gewicht und vom Geschlecht abhängig. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat eine grobe Formel veröffentlicht. Eine Frau, die - wie schätzungsweise Margot Käßmann - 55 Kilogramm wiegt und 1,54 Promille Alkohol im Blut hat, müsste 51 Gramm Alkohol getrunken haben. Das entspricht rund 1,3 Liter Bier oder 0,6 Liter Wein.“

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Collage: Beinsen
Circa einen halben Liter wird Margot Käßmann zu sich genommen haben. Etwa drei bis vier Gläser. Nun ja, da können wir die Auskunft, sie habe „ein Glas getrunken“, ruhig durchgehen lassen. Denn die Aussage, „ich trinke ein Glas Wein“, bedeutet ja im Allgemeinen keine Mengenangabe sondern steht umgangssprachlich eher für „etwas Wein trinken“. Das soll die Frau natürlich nicht entschuldigen. Autofahren und Weintrinken passt eben nicht zusammen. Allerdings wird sie die Wirkung ihres “Glases Wein” wohl in der Tat völlig unterschätzt und sich noch recht fit gefühlt haben. Leider ließ das Malheur dann nicht lange auf sich warten.
Letztlich hat Margot Käßmann indes noch in der Niederlage Haltung be-, und sich als echte Protestantin erwiesen: Moral geht vor Interesse. Wir wünschen ihr jetzt alles Beste und trotz alledem noch viele gute Gläser Wein, nicht als Trostpflästerchen sondern mit Genuss getrunken.

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Feb 24 2010

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Das Geheimnis der Aubergine, oder: Auberginenmus, sagenhaft lecker

Abgelegt unter Speis' & Trank

Weich, glatt und prall ist die Aubergine, mit einem makellos schwarzlila glänzenden, länglich-ovalen Körper und einem grünblättrigen Häubchen obendrauf. Der Aubergine haftet dabei wie kaum einer anderen Frucht etwas Frivoles und vielleicht auch etwas Geheimnisvolles an. Kein Zufall also, dass sich an ihr die Geister scheiden.
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„Zwingen sie mich niemals, Auberginen zu essen“

In dem Roman „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel Garcia Márquez fordert eine der Hauptfiguren, die stark umworbene Fermina Daza, ihrem zukünftigen Ehemann ein Versprechen ab: „Ich werde Sie heiraten, wenn Sie mich nicht zwingen, Auberginen zu essen!“ Autor Márquez schrieb seiner Heldin insbesondere eine heftige Abneigung gegen Auberginenmus zu.
Im 13. Jahrhundert soll der italienischer Arzt und Professor für Medizin, Taddeo di Alberotto, besonders nachdrücklich vor der damals noch nicht sehr weit verbreiteten Aubergine gewarnt haben. Sie mache liebestoll und erzeuge Wahnsinn, so versuchte der Mann seinen Landsleuten einzureden. Einer seiner Schüler habe es laut Überlieferung genau wissen wollen und sich zu einem ausgiebigen Selbstversuch verlocken lassen. Nach neun Tagen sei er derart respektlos und aufgekratzt gewesen, dass der Professor sich in seinen Befürchtungen voll bestätigt gesehen habe. Nun, den Siegeszug der Aubergine, die ursprünglich wohl in Indien und China beheimatet war, konnte der Mediziner letztlich nicht aufhalten. Von Italien aus breitete sie sich im 15. Jahrhundert bald im gesamten Mittelmeerraum aus und überwand schließlich die Alpen. In Österreich kennt man sie unter der Bezeichnung Melenzani.
Wer indes nach einem Mittel zur Steigerung seiner Libido sucht, sollte den Behauptungen di Alberottos zum Trotz lieber zum Arzt gehen, anstatt Auberginen zu essen. Und auch dem Wahnsinn verfällt bekanntlich nicht, wer diese Frucht verspeist. Allerdings vermeide man es besser, zufiel davon roh zu sich zu nehmen. Denn die Aubergine enthält in rohem und noch unreifem Zustand das Gift Solanin. Die Konzentration ist jedoch eher gering; um eine schädliche Wirkung – das heißt schwerwiegendere Verdauungsstörungen – herbeizuführen, muss man schon einige Kilos verdrücken. Möglicherweise jedoch ist dem Schüler Alberottos bei seinem mittelalterlichen Selbstversuch das Nikotin zu Kopf gestiegen, das in der Aubergine enthalten ist. Doch sehr wahrscheinlich ist auch das nicht, „denn die Menge schwankt, je nach Untersuchung“, zwischen ‚nicht nachweisbar‘ und 100 Mikrogramm pro Kilogramm“. Der Mann muss also bergeweise davon verputzt haben, um etwas gaga zu werden.

Auberginenmus

Nikotin hin, Nikotin her: Das Herz von Márquez‘ schöner Romanheldin Fermina Daza hätten wir mit dem folgenden Rezept nie erobert, denn es geht um Auberginenmus. Um daraus eine leckere Vorspeise für etwa vier Personen herzustellen, benutzen wir zwei Auberginen mit einem Gewicht von insgesamt plus-minus 500 Gramm. Zunächst legen wir die Auberginen für etwa 15 Minuten in den auf 180 Grad vorgeheizten Backofen. Nun nehmen wir sie heraus, entfernen die Schale und schneiden zerteilen die Frucht in einige Millimeter dicke Scheiben und bestreuen sie mit Salz, das entzieht ihnen die natürlichen Bitterstoffe. Nach 10 bis 15 Minuten werden die Früchte abgespült und trockengetupft. Jetzt können wir die Scheiben noch etwas zerkleinern.
Dann schälen und zerkleinern wir eine große Zwiebel, geben sie in ein hochwandiges Gefäß und fügen zwei bis drei zerpresste Knoblauchzehen hinzu. Nun die Auberginen zu den Zwiebeln und dem Knoblauch geben. Dem Ganzen fügen wir zwei Esslöffel Olivenöl, einen Esslöffel Weißweinessig und einen kleinen Spritzer Zitrone, einen Esslöffel fein gehackten frischen Thymian, wahlweise einen gehäuften Teelöffel getrockneten Thymian, eine Messerspitze Kreuzkümmel, eine Messerspitze Koriander, eine Messerspitze scharfen Rosenpaprika, einen gestrichenen Esslöffel edelsüßen Paprika und eine Prise Zucker hinzu. Nun rücken wir all dem mit dem Pürierstab zu Leibe, bis eine sämige Creme daraus entstanden ist.
Jetzt kann unser Auberginenmus, dekoriert mit ein wenig Petersilie, Paprikapulver oder Oliven, auch schon serviert werden.

Im Überblick


2 Auberginen, etwa 500g,
15 Minuten bei etwa 180 Grad backen. Schale entfernen.
In Scheiben schneiden, mit Salz bestreuen, 10 - 15 Min. ziehen lassen.
Abspülen, trockentupfen, zerkleinern.
1 große Zwiebel würfeln,
2 Knoblauchzehen zerpressen und in ein Gefäß geben.
Auberginen abtropfen lassen und hinzufügen. Mit
2 EL Olivenöl,
1 EL Weinessig,
1 Spritzer Zitrone,
1 EL frischen Thymian, fein gehackt,
1 Messerspitze Kreuzkümmel,
1 Messerspitze Koriander,
1 Messerspitze Rosenpaprika,
1 gestr. Esslöffel süßen Paprika und
1 Prise Zucker würzen.
Mit dem Pürierstab zu einer sämigen Creme pürieren. Das Ganze mit etwas
Paprika, Petersilie oder Oliven garnieren und servieren. Mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Unser Auberginenmus eignet sich superb als Vorspeise, gereicht mit etwas Weißbrot.

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Feb 18 2010

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Cinque Autoctoni - Fusel oder edles Tröpfchen

Abgelegt unter Reiner Wein

All jene, die per Web ein leckeres Rezept oder brauchbare Informationen rund um das Thema Essen und Trinken suchen, sind wahrscheinlich schon einmal auf der Seite chefkoch.de gelandet. Unter anderem gibt es bei chefkoch.de auch ein Weinforum, worin man Informationen austauschen und den Forumsmitgliedern seine Fragen stellen kann.
Am 8. Februar erkundigte sich jemand unter dem Mitgliedsnamen sternl nach einem italienischen Wein mit der Bezeichnung Cinque Autoctoni. sternl hatte den Wein selbst geschenkt bekommen und wollte ihn nun Gästen servieren. Allerdings befürchtete sternl eine Blamage, sollte es sich um „Fusel“ handeln.

Cinque Autoctoni

Ein Teilnehmer namens Chilichris konnte sternl beruhigen. „Der Cinque Autoctoni ist ein ungefilterter Wein aus 5 typisch süditalienischen Rebsorten: Montepulciano, Primitivo, Sangiovese, Negroamaro und Rote Malvasia”, schrieb Chilichris. Dieser Wein verkörpere eine völlig neue Generation von süditalienischen Weinen:

Sehr Opulent, aber ganz anders als im Bordeaux, Spanien oder Norditalien, spielen Holznoten quasi keine Rolle. Die Tannine sind moderat und sehr fein geschliffen. Hier ist fette, fleischige Frucht angesagt, fast so als würde man durch einen Obstgarten gehen und nur die schönsten und aromatischsten Früchte pflücken. Ein intensiver aber betörend weicher Wein sowohl in der Nase als auch am Gaumen. Insofern ist die Assoziation mit einem guten Portwein sicher nicht abwegig. Dieser neue Stil findet nicht überall Freunde hat jedoch schon viele meiner Kunden extrem begeistert. Eine ähnliche Machart findet sich auch beim Primitivo Sessantanni von Feudi di San Marzano aus Apulien wieder.“

Der Liter koste so zwischen 25 und 28 Euro, also die 0,7 l Flasche fast 20 Euro, fügte Chilichris hinzu. „Genieße ihn“, riet er. Diesem Rat wollen auch wir gern folgen.

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