Noch vor wenigen Jahren galt bekanntermaßen die Devise: Weintrinker, wird dir ein Weißherbst eingeschenkt, so lass alle Hoffnung fahren. Unmengen dieses klebrigen Zuckerwassers zirkulierten durch die Supermärkte und verdarben den guten Geschmack fast einer ganzen Nation. Wer sich von dem Trend zum Bollchenaroma beim Wein nicht korrumpieren ließ, der erlitt im Kontakt mit bestimmten Weinsorten ein kaum zu kurierendes Trauma. Der Spätburgunder Weißherbst gehörte oftmals zu den besonders üblen Vertretern seiner Art. Überhaupt war ja die Reputation des deutschen Weins unter Kennern bis in die achtziger Jahre hinein fast auf den Nullpunkt gesunken. Das wirkt teilweise bis heute nach. Es gibt immer noch Zeitgenossen, die statt zum guten Riesling etwa aus dem Rheingau lieber zum schlechten italienischen Frascati greifen. Was – nebenbei bemerkt – nicht heißen soll, dass jeder Frascati schlecht ist. Weiterlesen »
Wie berichtet, präsentiert auch Aldi-Nord seit einiger Zeit badische Weine, die unter der Regie des Weinguts Fritz Keller ausgebaut und vermarktet werden. Gerade ist zeitig zum sich endlich einstellenden Sommer ein Spätburgunder Rosé, Jahrgang 2009, zu haben. Jedenfalls für jene, die sich jetzt schnellstens auf den Weg zu Aldi machen, denn sehr viel ist in den meisten Märkten schon nicht mehr übrig von dem Tropfen. Weinblättchen-Autor und Stamm-Connoisseur Klaus-Dieter Gleitze rät jedenfalls dringend zum Kauf: „Sensationell, einer der Besten, die ich je zechte.“ 2009 Baden Roséwein, Edition Fritz Keller bei Aldi-Nord. Euro 4,99
Angeregt durch eine Empfehlung des Weinblättchen Master Mind griff ich neulich bei Aldi einen Franz Keller Riesling für moderate 5,99 Euro ab. Er ist wirklich exzellent und stand beim Aldi Markt meines Misstrauens wie der selige Klassenrüpel abseits, nicht bei den üblichen Aldi Winzerrebenschoppen für 0,99 Euro, und zwar in einer Ecke zwischen Kühltruhe und Schwimmflügeln.
Daneben standen zwei weitere Weiße, ein Vinho Verde und ein Chenin Blanc aus Südafrika, für jeweils 2,49 Euro. Potzdonner, dachte ich, das ist der Moment der tätigen Solidarität mit Südafrika und im Negativfall kann ich damit immer noch die Toilette scheuern.
Weit gefehlt. Der Mooiberg Chenin Blanc 2010(! – Südafrika halt) ist ein ordentlicher bis guter Tropfen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, und das heißt ja bei 2,49 schon was. Er ist etwas heller im Farbton und auf den ersten Schluck gefälliger als andere Chenins, die ich kenne. Chenin Blanc ist etwas sperriger im ersten Zugang als meinetwegen Chardonnays aus Übersee, wo einen oft in der ersten Ansprache gleich Opulenzaromen quasi überwältigen (wenn sie nicht völlig daneben sind). Ein zur Sommer WM notwendiger erfrischender, aber nicht rieslinghaft zwickender Säuregehalt des Mooiberg (noch nie gehört vorher) bei 12,5 Prozent Alk belebt und beflügelt. Dezentes fruchtiges Bouquet und eine Mischung aus Zitrone und Apfel runden das Ganze erfreulich ab. Natürlich kein Wein, vor dem man nach Genuss anbetend niederkniet, aber für den Preis eine rundum erfreulich Angelegenheit. Vor dem WM TV in der einen Hand den Chenin und mit der anderen Südafrika die Daumen drücken, dass es die Vorrunde übersteht, das ist tätige Solidarität, Trinkgenossen! (Ja, doch, auch Genossinnen! Hauptsache, es wird genossen.)
Fazit: Bei Aldi immer in die Klassenrüpel-Ecken gucken, da stehen die Besten. Das war früher auch mein Motto, ich kam aus der Ecke selten raus und hatte unter anderem in der Quarta legendäre 43 Einträge in einem Halbjahr im Klassenbuch. Ein gütiger Geist hat das Buch vor dem fälligen Elternsprechtag im hiesigen Maschsee versenkt und aus mir ist doch noch ein passabler Weinkenner geworden. Aber das ist eine andere Geschichte. Nunc est bidendum! kdg, 06/10
2009 Baden Riesling Edition Fritz Keller Weingut: Fritz Keller Anbaugebiet: Baden/Deutschland Traube: Riesling Farbe: Blassgelb bis gelb Nase: Aprikose, etwas Stachelbeere Gaumen: Zitrone, Orange, etwas Honig Nachhall: Feige, Apfel Alkoholgehalt: 12,5 Prozent Gesamteindruck: Fruchtig, weich, milde Säure
Wie sich jetzt zeigt, war die Affäre zwischen dem badischen Weingut Fritz Keller und der Firma Aldi kein kurzes Abenteuer oder gar nur ein One-Wine-Stand. Vielmehr erweist sich das Ganze als eine recht dauerhafte Liaison, die, wenn wir richtig gezählt haben, inzwischen ins dritte Jahr geht. Nach Weiß- und Spätburgunder ist diesmal ein Riesling an der Reihe. Für Euro 5,99 ist er seit heute bei Aldi Nord zu erwerben. Wie schon in den Jahren zuvor wird Keller den Wein nicht auf den eigenen Weinbergen produziert haben. Der Mann macht das Konzept, liefert sein Knowhow in Produktion und Marketing und vor allem seinen Namen und lässt den Rebensaft von einer Vielzahl kleiner badischer Betriebe herstellen.
Nase rümpfen
So mancher Purist rümpft bei diesem Deal die Nase: Keller macht sich mit dem Billig-Diskounter Aldi gemein, entweder muss der Mann es nötig haben oder dem Kommerz verfallen sein; nach dem Motto, Masse statt Klasse. Aber schon der verstorbene Franz Keller, Vater des jetzigen Inhabers Fritz, hat sich wenig darum geschert, was die Leute so über ihn denken oder sagen. In Zeiten, als es auf den deutschen Weingütern noch Usus war, Süßes und Feinherbes zu produzieren, hat der Mann seinen Betrieb vollständig auf die Herstellung trockener Weine umgestellt. Mit Erfolg, wie wir heute wissen.
Vorsicht Aldi?
Wer weiß, vielleicht ist ja demnächst auch Wein von anderen Spitzenwinzern bei Aldi oder Lidl zu haben. Statt die Nase zu rümpfen, hat Weinblättchen sie daher lieber ins Glas gesteckt und einmal selbst nachgerochen und geschmeckt, ob sich knapp sechs Euro für einen Aldi-Wein wirklich auch lohnen.
Nase ins Glas stecken
Im Glas zeigt sich der Riesling blassgelb bis gelb. Schon der erste Geruchseindruck ist frisch und fruchtig. Schnell lassen sich die Aromen von Aprikose und etwas Stachelbeere identifizieren. Am Gaumen appelliert der Wein an Zitrone, der sich wahrhaftig leichte Honignoten beigesellen. Im langen Nachhall hinterlässt dieses Tröpfchen deutliche Spuren von Feigen und Äpfeln. Wir haben es mit einem frischen und fruchtigen Wein zu tun, der 12,5 Prozent Alkohol in die virtuelle Waagschale wirft. Für einen Riesling wirkt diese Keller-Aldi Kreation mit ihrer milden Säure fast ein wenig zu zahm. Aber es ist auf jeden Fall ein Wein mit Charakter. Wer hier sechs Euro investieren will, macht nichts falsch. Es gibt für mehr Geld weitaus Schlechteres, auch im Fachhandel. Selten gibt indes für weniger Geld auch besseren Wein, aber den muss man schon sehr lange suchen oder regelmäßig das Weinblättchen lesen. Aldi hin, Aldi her: Unser Gesamturteil lautet: gut. Kaufen!
Weitere Informationen zum Thema: Interview mit Fritz Keller zum Thema Aldi – hier klicken!
Pünktlich zu Ostern hat der Getränkemarkt trinkgut noch einmal ein Angebot in die Weinregale gezaubert, mit dem die Firma laut Tobias Treppenhauer vom stern-blog Der Weinlakai im Dezember letzten Jahres schon einmal reüssierte. Für Euro 4,99 ist der 2007 Valtostao Legón Roble jetzt ein zweites Mal zu haben. „Die heutige Empfehlung ist trotz des Preises kein Wein, der in industrieller Weise hergestellt wurde“, schrieb Treppenhauer im Dezember letzten Jahres über den Tropfen.
“Ganz im Gegenteil: Der aus 100% Tempranillo bestehende Spanier wurde 6 Monate in französischer, amerikanischer und ungarischer Eiche gereift und seine Trauben stammen von über 35 Jahre alten Rebstöcken.
Es ist ein Wein auf den das Adjektiv “unkompliziert” besonders gut passt. Er ist fruchtig, aber nicht einfach, er ist geschmeidig, aber nicht flach. Der Wein macht enormen Spaß und hält auch einer etwas schwereren Weinhachtsküche stand. Mit anderen Worten: Der “Legón” ist ein wirklich guter Wein für unsagbar wenig Geld.“
Im Februar letzten Jahres hat der bekannte und renommierte Weinkritiker Robert Parker, der Wine-Advocate, den Tropfen mit 90 Punkten geadelt. Keine Ahnung wie es trinkgut immer wieder gelingt, solche Spitzenweine derart günstig zu präsentieren? Wer für Ostern noch einen guten Wein sucht, dem kann mit gutem Gewissen zum Kauf geraten werden. trinkgut bewirbt den Wein wieder mit einem 5 + 1 Angebot. Will heißen: Wer fünf Flaschen kauft, kriegt die sechste umsonst dazu. Besseren Wein für weniger Geld gibt es nicht!
Nero d‘Avola Corte dei Mori Etichetta Blu Corte, Jahrgang 2007 Weingut: Corte dei Mori Anbaugebiet: Sizilien Traube: Nero d‘Avola Farbe: Tinte Nase: Heidelbeere Gaumen: Kirsche, Johannisbeere Nachhall: Waldfrüchte, etwas Pflaume Alkoholgehalt: 13,5 Prozent Restzucker: 4 g/l Säure: 6,4 g/l Gesamteindruck: Ein weicher, fruchtiger und ausbalancierter Wein mit gut eingebetteter Säure und milden Tanninen.
Seit Francesco Minini in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in der norditalienischen Lombardei sein Weingut gründete, hat sich der Familienbetrieb mächtig rausgemacht. In dritter Generation gibt jetzt Enkel Mario den Ton an und hat mittlerweile Zweigstellen in fast allen wichtigen Weinregionen Italiens eröffnet. Corte dei Mori, zu deutsch Hof der Mauren, heisst seine sizilianische Dependance in Marsala, auf der unter anderem Wein aus der süditalienischen Rebsorte Nero d‘Avola gekeltert wird. Minini hat wohl einen Riecher dafür, was gerade gut ankommt, und reinsortig ausgebauter Nero d‘Avola gehört zweifellos dazu. Mit seinem Etichetta Blu Corte dei Mori Nero d‘Avola beweist der Weinproduzent darüber hinaus, dass er nicht nur Masse sondern auch Klasse kann.
Tintenfarben schimmert dieser junge aber schon charaktervolle Wein im Glas und verströmt dabei einen fruchtigen Duft nach Heidelbeeren. Am Gaumen reüssiert der Corte Dei Mori Nero d‘Avola mit Kirscharomen, um sich im Nachhall mit starken und anhaltenden Reminiszenzen an Waldfrucht und Pflaume zu verabschieden.
Der Wein wird von Fachhändlern zu Nudelgerichten mit Tomatensoße, zarten Gerichten von Schwein und Rind, gekochtem Fleisch, Pfannengerichten, Fleisch in hellen Soßen und milden Käsesorten empfohlen. Wer zu Weihnachten also diesmal keine Gans auf den Tisch bringen, sondern lieber mit etwas leichteren Gerichten vorlieb nehmen will, ist mit dem Corte dei Mori als fruchtigem Begleiter dabei gut bedient.
Weingut: Winzergenossenschaft Weinbiet eG Anbaugebiet: Pfalz Traube: Cuvée Farbe: Blassgelb mit goldenen Reflexen Nase: Honigmelone Gaumen: Feige, Lidschi Nachhall: Zitrone, Banane Alkoholgehalt: 12 Prozent Gesamteindruck: Der zitronige Akzent am Gaumen verstärkt den fruchtigen Gesamteindruck und verleiht dem Wein einen trocken-fruchtigen Charakter
Sommer-Highlight im Winter
November: die Tage werden kürzer und kürzer, der Himmel wird grauer und grauer und die Stimmung passt sich mehr und mehr den allgemeinen Witterungsverhältnissen an. Da erinnern wir uns doch gern an die Highlights des vergangenen Sommers.
Im Juni hatte es die Weinblättchen-Redaktion für ein paar Wochen in die Hannoversche Provinz nach Burgdorf verschlagen. Auf der Suche nach etwas Trinkbarem wurde der örtliche Einzelhandel durchstreift. Dabei fielen uns in der Getränkeabteilung des EDEKA-Marktes einige Kisten Aktions-Weißwein mit der Bezeichnung Sommertänzer ins Auge. Immerhin, schon auf dem Werbeschildchen wurde als Erzeugerin die Winzergenossenschaft Weinbiet ausgewiesen, ein Winzerwein statt anonymer Fassabfüllung also.
Liebt EDEKA auch Wein? Weinblättchen wird es weiterhin kritisch beobachten.
Rein damit in den Einkaufswagen. Lange Gesichter dann allerdings beim Auspacken: Die Warnung „Halbtrocken“ hatten wir vor Entdeckereifer glatt übersehen.
Keine Limonade
Halbtrockener Wein: Ist das nicht in der Regel eher etwas für jene Gelegenheitsweintrinker, die den Wein nach der geschmacklichen Übereinstimmung mit ihrer Lieblingslimonade beurteilen? Doch dann beim Probieren eine Überraschung: Das Schicksal hatte uns ein ausgezeichnetes Tröpfchen ins Glas gespült. Die anfängliche Enttäuschung über den vermeintlichen Fehlkauf war nach den ersten Schlucken schnell verflogen.
Wie ein Spätsommerabend
Blassgelb mit goldenen Reflexen, wie die schwächer werdende Abendsonne im Sommer, deren letzte Strahlen auf Straßen, Fenstern und Gewässern glitzern, schimmert der Sommertänzer im Glas. Der fruchtige Duft von gerade reif gewordener Honigmelone steigt einem in die Nase und am Gaumen gibt sich der Tropfen dann überraschend frisch und spritzig mit geschmacklichen Reminiszenzen an Feige und Lidschi. Im Nachhall zeigt er zitronige Noten, flankiert von leichtem Bananenduft, der auch dafür sorgt, dass die Säure nicht zu dominant wird. Der zitronige Akzent am Gaumen verstärkt vielmehr den fruchtigen Gesamteindruck und verleiht dem Wein einen trocken-fruchtigen Charakter.
Auch Halbtrockene können schmecken
Mit einem Restzuckergehalt von 9,4 Gramm pro Liter (g/l) bleibt der Sommertänzer im unteren Bereich dessen, was ein Halbtrockener nach amtlichem Verdikt vorweisen muss: Vorgeschrieben sind zwischen acht und 20g/l. Insgesamt ist genau das richtige Verhältnis von Restzucker, kräftigen Aromen und Säure entstanden, das den Wein zu einem nuancenreichen frischen Sommerwein macht, der gleichzeitig beweist: auch Halbtrockene können schmecken.
Der Wein kostet knapp vier Euro: Selten findet man in diesem Preissegment einen derart gut ausbalancierten Weißen. Mit diesem Cuvée aus den Rebsorten Riesling, Scheurebe, Silvaner und Gewürztraminer hatten die Kellermeister der Winzergenossenschaft Weinbiet wirklich ein glückliches Händchen. Völlig zu Recht hat der Sommertänzer daher von der Zeitschrift Weinwirtschaft in der Ausgabe 7/09 den zweiten Platz für “Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis bundesweit” erhalten. Übrigens: Wer sich eine flasche Sommertänzer kauft, nimmt gleich noch ein Stück Kunst mit nach Hause. Das Etikett des Sommertänzers – wie auch einiger anderer Weine der Genossenschaft – wurde von der Künstlerin Doris Gaab-Vögeli aus Neustadt Lachen-Speyerdorf gestaltet.
Firmensitz der Winzergenossenschaft Weinbiet in Neustadt/Weinstraße
Der Wein-Beat
Die Winzergenossenschaft Weinbiet ist ein Zusammenschluss der ehemals eigenständigen Genossenschaften Mußbach, Haardt und Gimmeldingen. Die drei Orte gehören durch Eingemeindung inzwischen zur kreisfreien Stadt Neustadt an der Weinstraße, dem Epizentrum des Pfälzer Weinanbaus. Weinbiet, das ist nicht etwa die pfälzische Dialektvariante des Worts Weingebiet und auch keine Neustädter Weinauktion, sondern ein Berg am Ostrand des Pfälzerwalds, der mit seinen knapp 500 Metern über die in der Rheinebene gelegene Stadt Neustadt und ihre Ortsteile aufragt.
Sommer im Glas
Wer sich in diesen trüben Novembertagen etwas Sommer ins Glas holen möchte, ist also mit dem Sommertänzer allerbestens beraten. In den regionalen Lebensmittelläden Norddeutschlands wird er wohl zur Zeit nicht gehandelt, dafür aber kann man sich direkt an die Winzergenossenschaft wenden und das eine oder andere Fläschchen per Post ordern.
Castel Firmian (2008) - Teroldego Rotaliano Denominazione di Origine Controllata Weingut: Cantina Mezzacorona in Mezzocorona (Trento) Anbaugebiet: Region Trentino, Piana Rotaliana Traube: Teroldego Farbe: Purpur- bis kirschrot Nase: Sauerkirsche Gaumen: Kirsche, Cassis Nachhall: weiche Holundernote Alkohogehalt: 12,99% Insgesamt: Mild, weich, fruchtig.
Passt insbesondere zu sommerlichem Essen, zu Salaten, Geflügel, Pasta, Gemüse, Risotto und anderen Reisgerichten
Teroldego - bewähertes Mittel in außergewöhnlichen Situationen
Als die römisch-katholischen Kirchenoberen Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Konzil von Trient über ihre Probleme mit der Reformationsbewegung zu Rate saßen, sollen sie dabei zünftig dem Wein zugesprochen haben. Anlass zum Trinken hatten sie ja genug: die alte Ordnung Europas stand Kopf und der Papst verlor eine Bastion nach der anderen, zu Lande, auf dem Wasser und vor allem in den Köpfen der Menschen. In Vino Veritas: Trost und Inspiration suchten die Konzilsmitglieder daher auch in geistigen Getränken und ließen sich kräftig vom vergorenen Saft der regionalen trentinischen Rebsorte Teroldego einschenken.
Geschadet hat es nicht: Auch wenn sich die Reformation nicht mehr stoppen ließ, so gelang es dem Konzil doch immerhin, die katholische Kirche aus ihrer Schreckstarre zu reißen und neu aufzustellen. Man schärfte die eigenen theologischen Positionen gegenüber den evangelischen Herausforderern, beschnitt die krassen Missbräuche des Reliquienhandels und des Ablasswesens und beschloss eine Liturgiereform. Als inspirierendes Tröpfchen zur Krisenbewältigung scheint sich der Teroldego also bewährt zu haben.
Altehrwürdige Traube
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts findet diese altehrwürdige Traube – bei der sich eine genetische Verwandtschaft mit der französischen Sorte Syrah nachweisen lässt, – erstmals urkundliche Erwähnung. Sie wird hauptsächlich in der Rotalianaebene des norditalienischen Etschtals angebaut, dort, wo die Flüsse Etsch und Noce zusammenfließen. Auf seinem Weg durch die Berge bringt der Noce steiniges Geröll mit, und gerade in diesem mageren Kiesboden fühlt sich die Teroldegotraube sauwohl und kann hier zu einem tiefdunklen, fruchtigen Rotwein heranreifen. Zur Belohung dürfen die Weine das amtliche italienische Qualitätssiegel Denominazione di origine controllata tragen.
Fruchtiges Tröpfchen
Hier, im trentinischen Etschtal, liegt das Städtchen Mezzocorona, das dem regionalen Anbaugebiet seinen Namen gibt. Ein großer Teil der Erzeuger in diesem Gebiet hat sich zu der Kooperative Weinkellerei Mezzocorona zusammengeschlossen, die unter anderem auf einer Anbaufläche namens Piana Rotaliana rund um ein altes Schloss aus dem 15. Jahrhundert den Teroldego kultiviert. Castel Firmian heißt das Schlösschen und so heißt auch der fruchtige Rote, der hier aus den Trauben gekeltert wird.
Im Glas präsentiert sich dieser Wein in kräftigem purpur- bis kirschrot und hinterlässt in der Nase einen intensiven Duft von Sauerkirschnoten. Am Gaumen gibt er sich leicht, säurearm und samtig in den Tanninen, um dabei gleichzeitig fruchtige Aromen von Kirsche und dunklen Johannisbeeren zu entfalten. Im Nachhall bleiben weiche aber anhaltende Reminiszenzen an die Holunderfrucht zurück. Der Castel Firmian ist ein junger fruchtiger Wein aus Italien und mit seinen 12,99 Prozent Alkohol nicht gerade ein Softie. Er eignet sich zu nicht allzu schweren sommerlichen Speisen wie Salaten, Geflügel, Pasta, Gemüse, Risotto und anderen Reisgerichten.
Den Castel Firmian gibt es in den Filialen von Jacques Weindepot für Euro 5,90. Jacques Weindepot Filialfinder – hier klicken
Verkostungsnotiz
San Elias
Jahrgang: 2007
Weingut: Vina Siegel, Chile, Valle de Colchagua
Traube: Carmenère
Farbe: Purpurrot mit dunklen Reflexen
Nase: Intensive schwarze Johannisbeere, Veilchen
Gaumen: Waldbeeren, etwas Sauerkirsche, Schokolade
Nachhall: Pflaume, leicht pfeffrige Note, anhaltendes Schokoladenaroma
Alkohol: 13,5 Prozent
Ein fruchtiger und süffiger chilenischer Rotwein, passend beispielsweise zu Pasta, Salaten und Geflügel.
Eine kleine Fruchtexplosion
Der Geist des Weins San Elias 2007 scheint ein rechter Libertin zu sein. Mit intensivem Geruch drängt er geradezu aus der Flasche und entlädt sich beim Entkorken sofort in einer kleinen Fruchtexplosion, die nach schwarzen Johannisbeeren und Veilchen duftet. Das am Gaumen noch zu toppen, ist nicht leicht. Immerhin umschmeichelt er einen hier mit den Aromen von Waldbeeren, Schokolade und einem Hauch Sauerkirsche, die sich etwas bescheidener aber immer noch sehr ausgeprägt präsentieren. Im Nachhall überrascht der Tropfen mit einer leicht pfeffrigen Note, die bei anhaltenden Reminiszenzen an Schokolade sogar ein wenig Pflaumenaroma mit sich bringt. Der San Elias ist ein samtig-fruchtiger und süffiger Rotwein mit milder Säure und weichen Taninen, mit dem man eigentlich kaum etwas falsch machen kann.
Produziert wird dieser Tropfen vom Weingut Vina Siegel im chilenischen Valle de Colchagua. Auf etwa 600 Hektar Fläche werden hier Weinreben angebaut.
Gegründet wurde das Weingut von Alberto Siegel in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Alberto Siegel, Sproß einer in dritter Generation in Chile lebenden deutschstämmigen Familie, ist wohl vor allem Geschäftsmann. Anfang der siebziger Jahre arbeitete er studienhalber ein Jahr in verschiedenen deutschen Weinkellereien. Anschließend verdingte sich der Mann zunächst beim Chemieunternehmen Bayer als Verkäufer von Düngemitteln für den Weinbau. Seine Kunden waren in erster Linie Weinbauern aus dem chilenischen Colchuaguatal, etwa 170 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago gelegen. Wie sich die Chemie auf Qualität und Verträglichkeit der Weine ausgewirkt hat, ist nicht verbürgt.
Alberto Siegel machte sich jedenfalls schließlich als Weinhändler selbstständig und begann gleichzeitig mit einer eigenen Weinproduktion. In den ersten Jahren stellte er hier ausschließlich Fasswein für den Großhandel her. Da seine Erzeugnisse jedoch ziemlich gut ankamen, ging er dazu über, seine Weine selbst in Flaschen zu füllen und ihnen die Ehre seines werten deutschstämmigen Namens zuteil werden zu lassen. Der siegelsche Betrieb wurde endgültig zum Weingut.
Der San Elias aus dem Hause Vina Siegel wird aus der Carmenèretraube gekeltert, die ursprünglich aus Frankreich stammt, wo sie im 19. Jahrhundert jedoch fast vollständig der gemeinen Reblaus zum Opfer fiel. Sie gehört theoretisch bis heute zu den sechs Sorten, die in Bordeauxweinen verwendet werden dürfen. Praktisch ist da aber die Reblaus vor. Daher müssen die Bordeauxweine seither im Großen und Ganzen ohne Carmenère auskommen.
Collage: Beinsen
In Europa geriet diese Traube deshalb mehr und mehr in Vergessenheit. Zu ihren Rettern gehören nicht zuletzt die chilenischen Winzer. Während die Reben der Carmenèretraube in Europa von den fiesen Parasiten zum Frühstück verspeist wurden, begann man 1860 in Chile mit ihrer Kultivierung. Es behaupte daher fortan niemand mehr, der Weinbau in Übersee hätte nichts zur Bewahrung der europäischen Weintradition beizutragen.
Heute wird der Wein aus der Carmenèretraube hauptsächlich reinsortig ausgebaut, was, so der Winzer sein Handwerk beherrscht, einen süffigen, nach Beeren und Schokolade duftenden Rotwein ergibt. Der San Elias 2007 darf sich jedenfalls dieser Vorzüge rühmen.